Dienstag, 24. Februar 2009

Tianzhen Garden erwacht aus dem Winterschlaf

Juhu, wir haben endlich wieder Kinder! In den letzten zwei drei Wochen hat sich ganz schön etwas getan in unserem chinesischen Heim. Wir haben neue Arbeiter, die unsere Einrichtung wieder auf Vordermann bringen und aufräumen, wir haben neue Kinder, unsere Tore werden langsam wieder bewacht (was den Vorteil hat, dass wir nun wieder aus- und eingehen können. Vorher mussten wir stets jemanden mit Schlüssel suchen, der uns aufschließt, was sehr frustrierend war, oder notfalls über die etwa 2,50 m hohe Mauer springen) und wir haben wieder einen Kindergarten, in dem wir uns alle sehr wohl fühlen können und endlich mal wieder austoben können. Die Kindergärtnerin ist auch klasse, da sie unwahrscheinlich gut mit den Kindern umgehen kann und sogar lieb zu ihnen ist. Allerdings ist es jetzt ein ganz schön straffer Tagesablauf für die Kleinen, die Lesen lernen sollen, wo wir natürlich eifrig mitmachen. Momentan betreuen wir fünf Kinder, heißt wir lehren ihnen Englisch, basteln mit ihnen und lesen ihnen abends eine Gute-Nacht-Geschichte vor (natürlich in Englisch, was sie nicht verstehen, sodass sie schnell einschlafen. Hat auch den Vorteil, das man getrost mitten im Text sagen kann „...and they lived happily ever after“ und einfach geht oder sogar Frankenstein vorlesen kann.) Da man für die Kinder aber wie ein riesengroßes Spielzeug ist, ist man nach einem Kindergartentag irgendwie ausgelaugter als nach so einem Tag Feldarbeit...

Mittwoch, 18. Februar 2009

Mein Hongkong-Trip

Mein Papa war wieder in China unterwegs, genauer in Hongkong, ein Grund für mich, wieder einmal über den Pekinger Tellerrand hinauszuschauen. Mit DaLu zusammen habe ich mir also fünf Tage freigenommen, um die 25-stündige Zugreise auf mich zu nehmen. Die Zugfahrt im hard-sleeper Abteil wir viel bequemer als gedacht, zumal wir das 6er-Abteil für uns alleine hatten. So konnten wir sehr bequem das elendig Dreckige und Graue (an dem Tag hat es das erste Mal nach drei Monaten wieder geregnet) hinter uns lassen und fanden uns in einer völlig anderen Welt wieder, als wir nächsten morgen wieder aufwachten. Das erste, was mein Auge erblickte, waren Palmen und Feldarbeiter in T-Shirt und Strohhut. Überhaupt wirkte alles viel freundlicher im starken Kontrast zum Pekinger Umland. Angekommen in Hongkong hat es mir erst einmal den Atem verschlagen, weil es so anders ist als Peking: viel sauberer, weniger Leute, enger (aber auf sympatische Art und Weise. In Peking ist eine vierspurige Straße extrem klein, alles wirkt erschlagend gigantisch, Hongkong wird aber von zweispurigen Straßen beherrscht, was enge Häuserschluchten zur Folge hat, wodurch die Wolkenkratzer noch höher wirken) und vor allem anderen ungeheuer luxuriös und teuer. Zumindest im Vergleich zu allen Orten, an denen ich mich in den letzten knapp sieben Monaten aufhielt. Hongkong ist eine Stadt, gelegen auf sehr hügeligen Inseln direkt im Meer, die von Kapitalismus und Globalisierung dominiert wird, sprich eine super idyllische, multikulturelle Shopping-Metropole. Erinnert mich sehr an eine Mischung aus San Francisco und Singapur. Leider war es die ganze Zeit stark bewölkt, sodass wir unsere traumhafte Aussicht von der sonst so runtergekommenen Jugendherberge nicht richtig genießen konnten.

Chinesisches Neujahr

Die Chinesen haben ja bekanntlich einen anderen Kalender als wir, nämlich den Mondkalender (moderne Chinesen feiern daher ganz gerne zweimal ihren Geburtstag, nach chinesischem und gregorianischem Kalender), demnach fällt das chinesische Neujahr auf ein anderes Datum als bei uns. Dieses Jahr war es der 26. Januar, wobei die Festlichkeiten bis zum 14. Februar anhielten. In dieser Zeit befand sich China feuerwerkstechnisch im Ausnahmezustand. Im Prinzip ist es wie unser Silvester, nur eben zwei Wochen lang. Zwei Wochen lang Feuerwerk mit nur wenigen Unterbrechungen, wobei die Feuerwerkskörper hier wesentlich mehr Rums machen als bei uns. Zudem veranstaltet auch jeder zweite ein semiprofessionelles Feuerwerk, so auch wir. Lukas und ich durften uns wie ein Mörsertrupp fühlen als wir die etwa 1 Liter fassenden Flugkörper anzündeten, in ein Ofenrohr fallen ließen und anschließend die Beine in die Hand nahmen, wobei uns nach etwa 20 Meter die Druckwelle einholte als mit einem Lauten „Pflumm“ die Rakete in den Himmel schoss. Ihr glaubt gar nicht wie toll das ist, ein Feuerwerk, was man sonst nur vom Brandenburgen Tor oder so kennt, selber zu starten und direkt darunter zu stehen. Auch in Peking gab es hier und da zu jeder Tag- und Nachtzeit mal wieder Feuerwerk, wobei es irgendwie nur unser Interesse zu wecken schien. Chinesen bewundern es jedenfalls nicht so ausgiebig.

Freitag, 6. Februar 2009

Max beim Arzt

Wie es das Schicksal so wollte, habe ich mir gleich am ersten Tag der Zeit nach dem Kirgisistan-Zwischenseminar, für welche ich mir eigentlich so viel vorgenommen habe, meinen rechten Daumen gebrochen und bin jetzt schwerstbehindert und brauche sogar Hilfe beim Flaschenöffnen. Na, ganz so schlimm ist es Gott sei Dank nicht (also Flaschen krieg ich manchmal wirklich nicht auf), aber ich fühle mich schon arg gehandicapt (tolles Wort). Optimistisch wie ich bin, wäre ich gar nicht damit zum Arzt gegangen und habe angenommen, es sei nur eine starke Prellung. Terry bestand aber darauf und so sind wir zusammen ins örtliche Krankenhaus gefahren, ein 9-stöckiger Palast, der, angeblich aufgrund der Feiertage, menschenleer war. Terry hat schnell die richtige Station herausgesucht und wir machten uns auf die Suche nach einem Arzt. In China gibt es scheinbar keine Warteräume, in die man sich setzt und wartet bis man aufgerufen wird, nein, man guckt einfach in jedes Behandlungszimmer und schaut nach, ob ein Arzt gerade da ist, den man dann, trotzdem er beschäftigt ist, davon überzeugen kann, dass mein Fall jetzt viel wichtiger sei, szumal ich ja Westler bin. Somit lernt man schon mal ein paar Patienten kennen, egal was sie denn haben. An der Wand der Krankenhausflure hingen Bilder von unsagbar schrecklichen Krankheiten. Da wir keinen Arzt spontan fanden, wurde die Restaurantmethode angewand: Im Restaurant brüllt Terry so laut er kann im Stimmbruchton „FuWuYuan“ (KellnerIn), wobei er die Mittelsilbe immer verschluckt, so dass es eigentlich noch unhöflicher wird. Aus der anderen Ecke des Raumes (oder des Raumes daneben, oder der Küche) kommt dann in der Regel ein „Ähhh?“ im gleichen Stimmbruchton, der typisch chinesisch zu sein scheint, und die Bestellung oder was auch immer wird über eine Distanz von 50 Metern aufgegeben, sodass auch jeder alles mitbekommt. So ähnlich lief es dann auch im Krankenhaus ab, als Terry lauthals „DaiFu“ (ArztIn)herauskrächste und eine Frau in einem für Krankenhausverhältnisse sehr schmutzigen Kittel aus einer Tür lugte. Auf dem Flur wurde ich dann untersucht noch mit Jacke und im Stehen und ich wurde zum Röntgen geschickt. Da war eigentlich alles wie bei uns, nur eben mit den chinesischen Anstellmanieren, oder sollte ich lieber Vordrängelmanieren sagen. Bemerkenswert war noch, dass man jede Leistung im Voraus einzeln bezahlt. So, jetzt haltet euch fest: Die erste Untersuchung hat mich 1 Yuan (10 Cent) gekostet, das Röntgen 40 Yuan (4 Euro) und die Schiene inkl. Behandlung, nachdem sich herausstellte, das mein Daumen gebrochen ist, kam 150 Yuan (15 Euro), wobei das schon die teuerste Variante war, ich hätte den gleichen Spaß auch für 12 Yuan (1,20 Euro) haben können, wäre dann aber unbequemer und einfacher gewesen. Jede Woche muss ich zur Kontrolluntersuchung, welche mich ganze 8 Yuan (80 Cent) kostet. Ich frag mich jetzt ernsthaft, was ein Arzt hier verdient und wie sich das alles rentieren soll. In Deutschland wären allein die Materialkosten schon weit höher. Soll ich dafür jetzt die Krankenkasse überhaupt kontaktieren!?

Samstag, 31. Januar 2009

Zwischenseminar in Kirgisistan

Vom 21. bis zum 26. Januar waren wir drei zusammen mit allen anderen Freiwilligen in Zentralasien in Kirgisistan, eine Reise, die viel schwieriger werden sollte als es zuerst schien. Nach ewigen Hin und Her, ob wir China überhaupt verlassen können aufgrund unseres one-entry-Visums, haben wir es geschafft, ein multiple-entry-Visum zu bekommen, sodass der Reise an und für sich nichts mehr im Wege stand. Außer, dass wir natürlich ein Visum für Kirgisistan brauchten. „Kein Ding“ dachten wir uns, haben dabei aber die Bürokratie nicht mit eingeplant und den Fakt, dass die Botschaft in Peking gerade am Umziehen war. So waren wir schon mehrere Wochenenden damit beschäftigt, die Botschaft überhaupt zu finden, um dann anschließend immer wieder falsche Öffnungszeiten genannt zu bekommen, sodass wir es erst im 4. Anlauf schafften, vorzusprechen. Derzeitige Zeit bis zur Abreise? 4 Tage! Also auch noch extrateure Expressbearbeitung. Die Botschaft war zudem die kleinste Einrichtung, die ich je gesehen habe. Mit uns fünf Leuten (wir drei + Jasper aus Chengdu + Terry) war der Warteraum voll. Unser Flug war recht unbeschwerlich und wir hatten eine Wahnsinnsaussicht auf das zentralasiatische Hochmassiv, eine Landschaft, wie sie unberührter nicht sein könnte. Nächste Hürde war der Zwischenstopp in Tashkent, der Hauptstadt von Uzbekistan, wo wir 14 Stunden warten mussten. Über einen roten Teppich wurden wir in die Transithalle geleitet, die wahrscheinlich eine alte Villa war. Leider hatten wir nichts zu essen und keine Möglichkeit, Geld zu tauschen, sodass wir von einer Packung Kekse aus dem Duty-Free-Shop für 7 Euro überleben mussten. Kirgisistan hat mich dann sehr positiv überrascht. Die Leute sehen zu einer Hälfte aus wie Chinesen, die anderen sind Russen. Die Landschaft ist traumhaft, wenn man Gebirge mag, und die Siedlungsräume erinnern an die ärmeren Ecken Tschechiens, nur das Bishkek eben die Hauptstadt war, wo wir waren. Das Seminar fand ich persönlich recht gelungen und ich fand es sehr interessant, wie es anderen Freiwilligen, aus der Mongolei zum Beispiel, ergeht. Nur passte China als einziges Land ohne sowjetischen Einfluss gar nicht in die Gruppe. Auf jeden Fall tat es sehr gut mal wieder unter Deutschen zu sein und ich fühlte mich wie auf Klassenfahrt. Wir drei "Chinesen" waren dann die letzten, die das Land wieder verlassen haben und hatten somit noch die Möglichkeit, eine der lokalen Einrichtungen anzusehen, ein Kinderheim für Straßenkinder.
Am Flughafen angekommen, wurde uns dann mitgeteilt, dass aufgrund des chinesischen Neujahrs unser Flug nach Peking gecancelt wurde und wir über Südkorea fliegen müssten. Wie nicht anders erwartet, wusste dort aber niemand davon, sodass wir in Seoul feststeckten und wir zur Einreise gedrängt wurden. Gott sei Dank fand uns aber nach etwa einer Stunde unser Ansprechpartner der Airline, den wir nur knapp verfehlt haben müssen und legte sich für uns mächtig ins Zeug. Mit neun Stunden Verspätung kamen wir in Peking dann an (ohne Gepäck allerdings) nach einer Odyssee durch Armut und Hochtechnologie.