Mittwoch, 27. August 2008

Da Shang

Heute möchte ich eine Person aus Tianzhen Garden vorstellen, und zwar Da Shang.

Er ist der Kleinste hier mit seinen 8 Jahren (wahrscheinlich ist er erst 7, da man in China mit der Geburt ein Jahr zählt). Da Shang ist ein kleines Energiebündel, wie es nicht besser geht. Für chinesische Verhältnisse gilt er schon als schwererziehbar, ganz zum Leid aller anderen. Aber er ist immer gut gelaunt und springt durch die Gegend und stellt allerlei Unfug an, was mit drakonischen Strafen geahndet wird. Seitdem ich hier bin, gab es keinen einzigen Tag, wo er keine Tracht Prügel bekommen hat. So wird er getreten, geschlagen und vom Platz gezerrt in übelster Weise, was uns Deutsche sprachlos macht. Seine Arme und Beine sind entsprechend zerschunden. Da Shang nimmt aber alles gelassen und grinst unentwegt, wenn er mal weint, dann nur für wenige Augenblicke. Wir Deutschen haben ihn alle lieb gewonnen, da er einfach drollig ist. Selten sieht man so vergnügte lebendige Kinder und er kann vom Toben mit uns nicht genug bekommen. Leider sorgen wir durch unsere Zuneigung ihm gegenüber für Eifersucht bei den anderen Kindern. Auch das weckt immer stärker unseren Beschützerinstikt, der uns nicht mehr schweigend zuschauen lässt, wenn Da Shang wieder verhauen wird, weil er nicht gerade sitzt beim Essen. Dennoch kann er ziemlich nerven, was die Einstellung der Chinesen etwas mehr verständlich macht. So steht die Küche nach seinem Waschgang immer unter Wasser, während das Geschirr genauso dreckig ist wie vorher. Auch muss man damit rechnen, dass einem beim gemeinsamen Abwaschen auch mal eine halbe Tomate an den Kopf klatscht. Wenn Da Shang in der Nähe ist, ist Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten, sonst wird man schnell schmutzig. Da ich das von Kindern seines Alters aber durchaus kenne, finde ich ihn dennoch sehr liebenswürdig. Ich staune, wie schnell er lernt. Oft sagt er etwas in Englisch, wo ich mich frage, wo er das aufgeschnappt haben kann. Und dabei ist sein Englisch richtig gut. Auch Deutsch ist ab und zu drin. Da Shang liebt es am meisten auf mir rum zuklettern. Ohne Furcht vorm Runterfallen klettert er ohne Hilfe auf meine Schulter, wenn ich normal stehe. Er lässt sich durch die Luft schmeißen und ist extrem kitzlig. Auch wenn wir nichts verstehen, ist er ununterbrochen am Quasseln. Ab und an bringt er uns so auch ein paar chinesische Worte bei. Und auch wenn es schwer ist, ihm Grenzen zu setzen, wenn er beschäftigt werden will, habe ich Da Shang einfach sehr lieb gewonnen.

Sonntag, 24. August 2008

Allgemeiner Bericht

Die letzte Woche war, auch wenn es nichts zu tun gab, ziemlich stressig. Wir versuchen nach wie vor an eine Visaverlängerung zu kommen, wobei wir nie wirklich wissen, wie der Stand der Dinge ist. Jedenfalls mussten wir uns letzte Woche einem Gesundheitcheck unterziehen. Der erste Anlauf scheiterte daran, dass das Krankenhaus geschlossen hatte, als wir ankamen. Der zweite Anlaufe scheiterte so halb, weil wir nicht genügend Geld mit hatten - zweimal umsonst für einen halben Tag nach Beijing gefahren. Da klatsch ich mir dann doch an den Kopf und frag mich, warum man so etwas nicht vorher in Erfahrung bringen kann. Lukas und ich hatten Glück, dass ich zufällig mein gesamtes Geld mit dabei hatte und das für uns beide finanzieren konnte. Fabian und Matthias haben aber nach ihrer blöden Postbank suchen müssen. Bei einem Versuch, Geld abzuheben, wurden sie dann auch prompt um 200 Euro vom Automaten beschissen, sodass sie jetzt pleite sind. Ich bin so froh, dass ich mir nicht auch so ein Konto gemacht habe, wenn ich sehe, was für einen Stress die beiden hier damit haben. Fabian und Matthias sind jetzt jedenfalls so frustriert, dass sie eigentlich das Handtuch werfen wollen und nach Hause möchten. Ob wir sie noch lange davon abhalten können, ist ungewiss. Momentan herrscht eine gewisse Spannung zwischen uns und der Einrichtung, weil ihr Weggang nicht im Interesse der Einrichtung wäre. Lukas und ich stehen da zwischen den Fronten, aber auch wenn wir andere Absichten haben, so werden wir doch alle über einen Haufen gekehrt (- oder auf einen Haufen gekehrt? ... oder über einen Kamm geschoren?- ach wie auch immer). Inzwischen haben wir beide mit Chinesischunterricht begonnen, der sehr amüsant ist. Ich merke auf jeden Fall, dass ich etwas dabei lerne. Inzwischen verstehe ich Wörter, die ich kenne, im fließenden Gerede. Mein Tai Chi - Training wurde auch geupgraded auf 3 mal am Tag, aber bis jetzt hatte ich noch nicht viel davon, weil ich ständig irgendwo rumkurve. Abends gehen wir ziemlich häufig auswärts essen, wonach ich mich sehr sehne, weil ich das Essen der Einrichtung echt nicht mehr sehen kann. Es gibt früh, mittags und abends immer wieder das Gleiche mit geringen Variationen und zu 95 % veganisches Essen. Als jemand, der kein Gemüsefan ist und Aubergine hasst wie die Pest, ist das eine große Qual. Essen auf der Straße oder im Restaurant ist hingegen immer wieder großartig. Gestern waren wir chinesisches BBQ essen.

Irgendwo am Straßenrand hat sich da ein Stand niedergelassen und ein paar Tische aufgestellt. Das war dann das Zentrum des Nachtlebens. Wir haben allerlei gegrilltes Zeug gegessen, angefangen mit Tofu, Glasnudeln und Fischbällchen bis hin zu Nieren, Hühnerknorpel und Magen. Das dazwischen hatte ziemlich lecker geschmeckt. Nein, eigentlich war alles gut. Auf dem Tisch sah es danach wieder aus wie im Saustall, und die Knochen wurden auf den Boden geschmissen. Ratz batz waren aber auch die weg, weil einen ständig Straßenhunde um die Beine schleichen.

So hab ich mir China immer vorgestellt und diese Abende genieße ich unendlich doll.

Massage

Gestern Abend haben sich Terry, Lukas und ich den Luxus gegönnt und sind zur Massage gegangen. Für diesen Zweck gibt es wie für alles riesige Anlagen, die nur dafür eingerichtet sind und über Unmengen Personal verfügen. Terry und ich haben das volle Programm genommen (also das ganz volle nicht, davor wurden wir hier extra noch einmal gewarnt ^^). Das bestand aus einem Rundumglücklich-Programm, wonach man sich wie neu geboren fühlt. Zuerst geht man in einen Whirlpool mit Sauna, wobei es bei der Sauna keine Abkühlung gibt. Es gibt zwar ein Tauchbecken, aber das ist pupswarm. Anschließend wird man gewaschen. Das heißt, man legt sich auf eine Liege, wird mit warmen Wasser übergossen und jemand rubbelt dann mit einen Handschuhschwamm den Körper ab. Den ganzen (!) Körper... ist für unsereins doch recht ungewohnt. Letztlich kam ich mir vor wie ein Hund, der mit so einem Bürstenhandschuh geschrubbt wird. Anschließend wurde ich mit einer Art Honigmilch eingerieben und durfte nochmal in die Sauna. Nach einem letzten Duschen bekommt man dann hauseigene Kleidung und wird in kleine Räume geführt, wo dann Betten stehen mit großen Plasmafernseher. Dort macht man sich’s dann bequem, bekommt massig Wassermelone und Tee oder Kaffee und guckt in die Röhre. Wir haben „Ein Schweinchen namens Babe“ gesehen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie ulkig die Schafe in Chinesisch klingen. Nach wenigen Minuten kamen dann unsere Masseurinnen. Angefangen wurde mit 60 Minuten Fußmassage, anschließend gab es 40 Minuten Ganzkörper („without dick“, wie mir Terry noch ausdrücklich und scherzhaft klarmachte, der offensichtlich sehr geprägt wurde von seinem beiden Auslandsjahren in Neuseeland). Ich weiß ja nicht, wie Massage in Deutschland abläuft, aber ich war doch recht überrascht, wie grob und hemmungslos doch einige Köperzonen behandelt wurden. Es wurde gedrückt, geklopft, geklatscht und gekratzt. Letzteres sogar so, dass Lukas danach geblutet hat. Teilweise war die Massage echt schmerzhaft und es fiel schwer, sich zu entspannen. Lukas kann ich, glaub ich, nicht noch einmal dazu überreden.
Auch wenn es sehr gewöhnungsbedürftig ist, fand ich es doch sehr erholsam. Für mich war es auf jeden Fall nicht das letzte Mal. Der ganze Spaß von insgesamt drei Stunden Wellness hat dann übrigens knapp 10 Euro gekostet.

Donnerstag, 21. August 2008

Disziplin

Als wir uns für einen Waldorfkindergarten beworben haben, hatten wir allesamt andere Vorstellungen über das Leben hier. Wir verbanden im Großen und Ganzen Antiautorität damit. Dass es nicht so ist, haben wir alle schon am ersten Tag zu spüren bekommen. Wie schon früher beschrieben, haben wir alle einen festen Tagesablauf, an den wir uns zu halten haben. Von 6:00 Uhr Aufstehen bis 21:30 Uhr Bettruhe ist inkl. Mittagsschlaf alles durchorganisiert. Man sieht es zwar nicht so eng, wenn wir nach dem Mittag oder abends noch unser eigenes Ding machen, aber man sieht es nicht gerne. Sauberkeit ist das A und O im Leben, wie Lukas erklärt wurde. Es sieht zwar nicht so aus, aber hier wird jeden Tag sauber gemacht. Liegt wahrscheinlich an den verfügbaren Mitteln, dass es trotzdem immer schmutzig ist. Die Zimmer müssen stets aufgeräumt sein und die Betten werden jeden Morgen gemacht. Dabei ist es wichtig, wie sie gemacht werden. Sie müssen exakt quadratisch sein mit eckigen Kanten und nirgends darf etwas überstehen.

Ein Anfänger braucht dafür locker 15 Minuten. Vor jedem Essen werden eine Danksagung und ein klassischer Text vorgetragen und nach dem Essen kann man Punkte für gutes Benehmen erlangen.

Wann immer man jemanden sieht, verbeugt man sich und grüßt. Zum Tai Chi joggt oder marschiert man im Gleichschritt. Vor jeder Gruppentätigkeit wird durchgezählt und eigentlich gibt es auch Einheitskleidung. Ich kann mich mit all dem noch einigermaßen anfreunden, aber oft wird die Einrichtung hier mit unserer Vorstellung vom Bund verglichen. Dass es sich um keinen Waldorfkindergarten in dem Sinne handelt, sieht man spätestens beim Umgang mit den Kindern. Sie werden regelrecht gezüchtigt. Sie werden geschlagen, wenn sie beim Essen nicht gerade sitzen, umhergucken oder gar reden. Einmal sollte ich im Kindergarten Klavier spielen. Die Kinder mussten sich im Schneidersitz auf den Boden setzen und mir lauschen. Dabei waren sie gerade mal 2-5 Jahre alt.
Wir haben, was das betrifft, immer eine Extrawurst, bei uns ist es mehr oder weniger egal, wie wir uns verhalten. Aber ich merke sehr, dass je stärker wir uns assimilieren, desto doller freuen sie sich.

Sonntag, 17. August 2008

Allgemeiner Bericht

Ich habe mir jetzt eine Kamera gekauft und kann euch absofort auch mit Bildern versorgen. Den Link zu meinem Webalbum findet ihr rechts.
Ich würde mich im Übrigen sehr über Comments freuen.