Vom 21. bis zum 26. Januar waren wir drei zusammen mit allen anderen Freiwilligen in Zentralasien in Kirgisistan, eine Reise, die viel schwieriger werden sollte als es zuerst schien. Nach ewigen Hin und Her, ob wir China überhaupt verlassen können aufgrund unseres one-entry-Visums, haben wir es geschafft, ein multiple-entry-Visum zu bekommen, sodass der Reise an und für sich nichts mehr im Wege stand. Außer, dass wir natürlich ein Visum für Kirgisistan brauchten. „Kein Ding“ dachten wir uns, haben dabei aber die Bürokratie nicht mit eingeplant und den Fakt, dass die Botschaft in Peking gerade am Umziehen war. So waren wir schon mehrere Wochenenden damit beschäftigt, die Botschaft überhaupt zu finden, um dann anschließend immer wieder falsche Öffnungszeiten genannt zu bekommen, sodass wir es erst im 4. Anlauf schafften, vorzusprechen. Derzeitige Zeit bis zur Abreise? 4 Tage! Also auch noch extrateure Expressbearbeitung. Die Botschaft war zudem die kleinste Einrichtung, die ich je gesehen habe. Mit uns fünf Leuten (wir drei + Jasper aus Chengdu + Terry) war der Warteraum voll. Unser Flug war recht unbeschwerlich und wir hatten eine Wahnsinnsaussicht auf das zentralasiatische Hochmassiv, eine Landschaft, wie sie unberührter nicht sein könnte. Nächste Hürde war der Zwischenstopp in Tashkent, der Hauptstadt von Uzbekistan, wo wir 14 Stunden warten mussten. Über einen roten Teppich wurden wir in die Transithalle geleitet, die wahrscheinlich eine alte Villa war. Leider hatten wir nichts zu essen und keine Möglichkeit, Geld zu tauschen, sodass wir von einer Packung Kekse aus dem Duty-Free-Shop für 7 Euro überleben mussten. Kirgisistan hat mich dann sehr positiv überrascht. Die Leute sehen zu einer Hälfte aus wie Chinesen, die anderen sind Russen. Die Landschaft ist traumhaft, wenn man Gebirge mag, und die Siedlungsräume erinnern an die ärmeren Ecken Tschechiens, nur das Bishkek eben die Hauptstadt war, wo wir waren. Das Seminar fand ich persönlich recht gelungen und ich fand es sehr interessant, wie es anderen Freiwilligen, aus der Mongolei zum Beispiel, ergeht. Nur passte China als einziges Land ohne sowjetischen Einfluss gar nicht in die Gruppe. Auf jeden Fall tat es sehr gut mal wieder unter Deutschen zu sein und ich fühlte mich wie auf Klassenfahrt. Wir drei "Chinesen" waren dann die letzten, die das Land wieder verlassen haben und hatten somit noch die Möglichkeit, eine der lokalen Einrichtungen anzusehen, ein Kinderheim für Straßenkinder.
Am Flughafen angekommen, wurde uns dann mitgeteilt, dass aufgrund des chinesischen Neujahrs unser Flug nach Peking gecancelt wurde und wir über Südkorea fliegen müssten. Wie nicht anders erwartet, wusste dort aber niemand davon, sodass wir in Seoul feststeckten und wir zur Einreise gedrängt wurden. Gott sei Dank fand uns aber nach etwa einer Stunde unser Ansprechpartner der Airline, den wir nur knapp verfehlt haben müssen und legte sich für uns mächtig ins Zeug. Mit neun Stunden Verspätung kamen wir in Peking dann an (ohne Gepäck allerdings) nach einer Odyssee durch Armut und Hochtechnologie.
Samstag, 31. Januar 2009
Montag, 29. Dezember 2008
Weihnachten
Also mein Weihnachtsfest in Peking war sehr bescheiden. Weihnachten ist ein Fest, was verständlicher Weise im nicht-christlichen China nicht Mode ist. Demnach gab es auch keinerlei Weihnachtsstimmung. Es gibt zwar hier und dort Plastikweihnachtsmänner und Tannenbäumchen, aber halt nicht diesen Überfluß an Dekoration wie in Deutschland. Zum Glück wurden wir drei wenigstens von unseren Eltern gut versorgt, sodass wir es wenigstens in unseren Zimmern gemütlich machen konnten bei Pfefferkuchen und Räuchermännchen. Pünkltich vier Tage vor Weihnachten ist dann seit 3 Monaten mal wieder Niederschlag gefallen, sodass wir eine etwa 15 cm dicke Schneedecke hatten. Doch weiße Weihnachten hatte seinen Preis, schließlich waren wir fürs Schnee schippen verantwortlich. In Peking haben wir vom ganzen Schnee nichts mehr gesehen. Zum Heilig Abend sind wir mit Terry und seiner Freundin zum Pekingente-Essen eingeladen worden, das kam der Weihnachtsgans schon am nähesten. Und ehe uns wir versahen war Weihnachten auch schon wieder vorbei, während wir noch das Gefühl haben, dass es noch nicht einmal da war. Ein Highlight gab es noch: Weihnachtsshopping am 25. Wir haben es nämlich nicht mehr geschafft, vor Weihnachten Geschenke für uns zu besorgen, und so haben wir uns entschieden, auf amerikanische Art und Weise zu feiern (auch wenn es dann immer noch verspätet war).
Mittwoch, 17. Dezember 2008
„Chinesen essen...
alles was vier Beine hat, aber keine Tische, alles was schwimmt, aber keine U-Boote, und alles was fliegt, aber keine Flugzeuge.“ Dies ist eine ziemlich weit verbreitete Meinung, aber so ganz trifft das natürlich nicht zu. Chinesen schrecken zwar vor weniger zurück als der Durchschnittsdeutsche und haben einen Hang zum Exotischen, aber letztlich wird in China zum größten Teil das Gleiche gegessen wie bei uns. Dennoch gibt es gewisse Spezialitätenrestuarants, wo man die rote Liste rauf und runter paniert oder sautiert bekommt. Mein Lieblingsbeispiel an exotischen Gerichten war Tigerpenis für 1400 € auf Vorbestellung laut Lonely Planet. Viele Gerichte sind für unsereins abstoßend, weil wir unter Hund, Katze und Esel vielleicht eher ein Haustier sehen als einen Fleischlieferanten, aber ist ein Kaninchen nicht das gleiche? Die Märkte, die aus Geschichten allen bekannt sein dürften, wo man Käfer, Spinnen und allerlei Krabeltier essen kann, die gibt es in Wirklichkeit seh selten. Ich kenne in Peking einen einzigen Ort, wo man Skorpion, Seepferdchen, Grillen oder Seestern am Spieß kaufen kann, einiges zappelt davon sogar noch bevor es ins siedende Fett getaucht wird. Tatsächlich ekeln sich die Chinesen davor aber genauso wie die Touristen, für die es gedacht scheint. DaLu und ich haben es letztens gewagt und haben uns einen Skorpionspieß geteilt. Nachdem der erste Ekel überwunden war, haben wir beide festgestellt, dass eigentlich gar nichts so schlimmes dabei ist und Skorpion sogar ziemlich gut schmeckt. Dennoch hat jeder, der uns gesehen hat, das Gesicht verzerrt.
Wo man sagen kann, dass Chinesen echt alles essen, sind ganz normale Standardgerichte wie Hühnchen. In China ist leider so gut wie jedes Stückchen Fleisch nicht vom Knochen getrennt, sodass man Knochen, Knorpel und andere „ungenießbaren“ Dinge mit im Essen hat. Was unsereins ausspuckt, essen Chinesen einfach mit, sie zermalen sogar die Knochen im Mund. Von einem gekochten Huhn bleiben somit nur Kopf und Federn übrig. Eine chinesische Spezialität ist im übrigen Hühnerfuß, den man sogar eingeschweißt zu dutzenden im Supermarkt findet. Ich habs mir zwar fest vorgenommen, so etwas irgendwann zu probieren, aber eigentlich würde ich lieber noch hundert Skorpione essen.
Wo man sagen kann, dass Chinesen echt alles essen, sind ganz normale Standardgerichte wie Hühnchen. In China ist leider so gut wie jedes Stückchen Fleisch nicht vom Knochen getrennt, sodass man Knochen, Knorpel und andere „ungenießbaren“ Dinge mit im Essen hat. Was unsereins ausspuckt, essen Chinesen einfach mit, sie zermalen sogar die Knochen im Mund. Von einem gekochten Huhn bleiben somit nur Kopf und Federn übrig. Eine chinesische Spezialität ist im übrigen Hühnerfuß, den man sogar eingeschweißt zu dutzenden im Supermarkt findet. Ich habs mir zwar fest vorgenommen, so etwas irgendwann zu probieren, aber eigentlich würde ich lieber noch hundert Skorpione essen.
Feuerwerk
Soviel Feuerwerk, wie man in China sieht, sieht man nirgendwo sonst. Feuerwerk ist fest in die chinesische Tradition verankert (zum Beispiel werden sie gezündet, wenn jemand gestorben ist oder zur Eröffnung von Geschäften, um böse Geister zu vertreiben), und so knallt es eigentlich jeden Tag. Chinesisches Feuerwerk beschränkt sich dabei auf alles was knallt, je lauter desto besser. Hier erfährt man, was ein echter Chinaböller ist, wenn man auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch die Druckwelle spürt, wobei die Straße 8-spurig und viel befahren ist. Auch Frösche sind beliebt, wobei die nicht so öde sind wie in Deutschland sondern sich mit vielleicht 50 Explosionen pro Sekunde dauerknatternd in unglaubliche Höhen katapultieren. Buntes Farbenfrohes gibt es gar nicht. Nur laute Knaller. Sehr negativer Nebeneffekt der Knallerei: Es entsteht unglaublich viel Müll, der in ländlichen Regionen die Straßen säumt.
Montag, 1. Dezember 2008
Zugfahren
Die letzte Zugfahrt nach Hause war die reinste Katastrophe. Wir hatten zwar Sitzplatzkarten, aber hatten gar keine Möglichkeit, auch nur annähernd in die Nähe der Plätze zu kommen. Der Zug war derart überfüllt, dass man sich gar nicht bewegen konnte, aber auch wirklich gar nicht. Obwohl wir eine halbe Stunde vor Abfahrt da waren, kamen wir gerade so rein. Hinter uns kamen dann noch etwa 20 Leute,die aggressivst von den Beamten reingedrückt wurden. Als dann einer der Passagiere mit einem Polizisten draußen einen Streit anfing und gebrüllt und sogar mit Flaschen aufeinander eingeschlagen wurde, habe ich die Nerven verloren und Panik bekommen. Ich bin dann Amok gelaufen, nur um aus diesen Zug wieder rauszukommen. Ich wusste gar nicht, was ich am meisten hassen sollte in dem Moment. „Okay“, dachte ich mir, „dann gehst du eben als Letzter rein, dann bekommst du wenigstens ein bisschen Luft und wirst nur gegen die Tür gequetscht.“ Naja, war natürlich nicht so. Ich stand zwar auf den Brettern, die den Zug mit dem Bahnsteig verbinden, mit etwa zehn anderen, die noch nicht im Zug waren, allerdings wurden mir diese dann irgendwann unter den Füßen weggezogen, sodass ich aufpassen musste, nicht ins Gleisbett zu fallen. Die Tür wurde daraufhin mit viel Gewalt und Geschrei geschlossen. Einige von den Leuten, die draußen standen, sind durchs Fenster geklettert. Im Zug bewegte sich gar nichts. Ging auch nicht. Die, die noch draußen blieben, sollten die anderen Türen versuchen, aber da sah es überall genauso aus. Zu Lukas² hatte ich keinen Kontakt mehr, anrufen ging nicht, weil zur Krönung einen Abend vorher mein Handy geklaut worden war, Sichtkontakt war auch nicht und zum Rufen war es viel zu laut. Ich plante dann, mich beim Kartenverkauf irgendwie zu beschweren, um mein Geld zurückzubekommen, in die JH direkt gegenüber zu gehen und am nächsten Tag nachzukommen. Allerdings wurden dann die Zugzwischenräume von den Schlafwagen aufgefüllt, wo ich auch mit hineinsollte. Ich habe dann die ganze Fahrt zwischen zwei Wagons verbracht, wo es arschkalt und laut war. Gott sei Dank habe ich mir noch eine Stunde vorher so einen kleinen Angelhocker gekauft, wo ich mich mit Mühe und Not draufsetzen konnte und hatte ein Buch dabei, sodass ich mir irgendwie die Zeit vertreiben konnte. Jetzt versteh ich erstmal, was in Chinaberichten gemeint ist, wenn vom „Wasserloch in der Wüste“-ähnlichen Szenen beim Einsteigen in den Zug die Rede ist. Ich denke, dass ich nervlich und körperlich ziemlich stark bin, aber da habe ich innerhalb von 5 Minuten Panik bekommen und hatte nur Hass, vor allem auf die Beamten. Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass sie mich gleich zusammenschlagen, so aggro wie die drauf waren. Da war es auch scheißegal, dass wir Ausländer waren. Beim Aussteigen wurden dann die raus getragen, die es nicht verkraftet hatten und nur noch wie tot hingen.
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