Freitag, 17. Februar 2012

Weihnachten und Silvester - Silent night, quiet night

Unsere größten Feiertage sind hier, so wurde uns schon bei der Begrüßungsveranstaltung in der Uni verklickert, ganz normale Wochentage. Es gibt kein frei, keine Atmosphäre, keine Geschenke. Es sind einfach nur westliche Feiertage, die nur aus Kommerzzwecken auch nach China geschwappt sind, dort aber keinerlei Bedeutung haben. So wurde meine Weihnachtszeit recht trostlos. Sicher, die traditionelle Portion Weihnachtsdeko bekam ich auch hier, aber nur in abgespeckter Version und Gott sei Dank erst ab 1. Dezember und nicht schon im Oktober wie bei uns. Allerdings wirkte alles sehr gewollt und nicht gekonnt, was es gab war megakitschig und grellbunt und so erinnerte unser Weihnachtsbaum im Foyer des Wohnheimes eher an eine riesige grüne Klobürste mit Buntpapier als wirklich an einem Baum. Schnell wurden Traditionen vermischt und einige Asiaten fingen an, Geld an den Baum zu hängen, was uns Westler nur stark wundern ließ. Als wir dann irgendwo in der Stadt einen echten Weihnachtsbaum sahen, waren wir alle ganz aus dem Häuschen und es gab erst einmal eine halbstündige Fotosession vor dem Baum. Bei nicht wirklich aufkommender Stimmung versuchten wir das Beste draus zu machen mit Secret Santa, Heiligabend endete dann aber doch wieder in einer Disko, etwas, was ich mir nach Peking geschworen habe, nie wieder zu tun, weil es einfach zu deprimierend ist. Nach dieser eher bescheidenen Weihnachtszeit verhofften wir uns ein etwas besseres Silvester, immerhin leben wir hier in DER Metropole Ostasiens, da muss doch auch das westliche Neujahr etwas bedeuten… Leider Fehlanzeige. Unser Plan war es, zu Mitternacht zum Bund zu fahren, einer breiten großzügig gebauten Fußgängerpassage direkt am Fluss wo alte Gebäude ehemaliger Besatzungsmächte sich aneinanderreihen mit Blick auf Shanghais Skyline. Obwohl wir die dreifache Fahrzeit eingeplant haben, haben wir es dennoch nicht ganz geschafft, da etwa 5 Millionen Chinesen den gleichen Plan hatten. Die letzte Viertelstunde mussten wir zu Fuß antreten und haben es rennend auf die Sekunde genau geschafft. Da es ganz vielen anderen genauso ging, glich die Situation einer Szene aus einem Katastrophenfilm, wo tausende Menschen panisch in eine Richtung rennen, um sich herum alles ignorierend. Die letzten Zahlen vom Countdown haben wir gerade so noch mitbekommen. 4, 3, 2, 1… NICHTS!!! Kein Feuerwerk, kein Getöse, nichts! Lediglich eine Leuchtschrift an einem der Wolkenkratzer wünschte ein frohes neues Jahr, aber das Panorama sah nicht anders aus als jede andere Nacht. Und dafür sind Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Der Bund war gerammelt voll. Stellt euch eine Straße wie Unter den Linden vor, die komplett voll ist mit Menschen, so dass es nirgendwo mehr einen Platz zum Stehen gibt. Jedoch gleich nach Zwölf lichtete sich alles wieder, da alle Chinesen wieder nach Hause strömten. Eine einzige Rakete habe ich noch gesehen diesen Abend, etwa 40 Minuten nachdem alles vorbei war, zur großen Aufregung aller Verbliebenen. Danach war, mal wieder, Clubbesuch angesagt. Vom Bund mit Taxi wieder wegzukommen war absolut illusorisch. Es gab einfach keine Taxis, wie auch, bei den Menschenmassen. Die einzigen leeren Taxis witterten das Geschäft ihres Lebens und fuhren nur für 300 Yuan (etwa 30 €) unter der Hand los, was etwa den zehnfachen Normalpreis entspricht. Also ging es zum Club wieder zu Fuß, etwa eine Stunde bei klirrender Kälte. Dort angekommen stellten wir fest, dass auch dieser das Geschäft seines Lebens witterte und hohe Eintrittspreise verlangte. Wäre ja nicht schlimm, wenn es nicht absolut überfüllt gewesen wäre und an der Garderobe nicht nur eine Person gearbeitet hätte. Der Abend endete somit sehr unzufrieden in Warteschlangen und dem reinsten Gedränge.
Fazit: Zu Feiertagen bleibt man in China am besten zu Hause oder verlässt das Land. Zum Glück habe ich genau das zum chinesischen Neujahr gemacht.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Shanghai Shopping - This one, or that one? I'll take both!

In China sagt man, alles was du in Shanghai nicht kaufen kannst, bekommst du nirgendwo in der Welt. Nachdem Shanghai nun New York als Weltmetropole so langsam ablöst und ich mich selbst ein wenig auf Shoppingtouren begeben habe, kann ich dem nur zustimmen (auch wenn ich jetzt nicht nach irgendetwas exotisch extravaganten gesucht habe). Einkaufen in China kann wahrhaft ein Traum sein, wenn man sich viel Zeit nimmt und weiß an den richtigen Stellen zu suchen. Die regulären Kaufhäuser ähneln im Großen und Ganzen den europäischen Pendants, die wahren Freuden findet man in den Untergrundkaufhäusern, wo man neben recht kitschigen chinesischen Plunder (wo man aber auch hin und wieder glücklicher Finder ausgefallener Sachen wird) und der allseits bekannten chinesischen Produktpiraterie (die mal schlechter, mal besser ausfällt) ab und an auch mal Schmuggel- oder Hehlerware findet. Und so kann man sich hier durchaus für einen Appel und ein Ei recht komfortabel einkleiden und ausstatten, was immer wieder dazu verleitet, unnützes Zeug zu erwerben. Ich habe jetzt die hiesigen chinesischen Schneider für mich entdeckt, die einen zu lächerlichen Preisen Hemden, Anzüge und alles was man sich nur ausmalen kann maßschneidern. Bis jetzt bin ich damit mehr als zufrieden und nach den ersten Ergebnissen ist meine leichte Angst und Irritation in maßlose Freude übergegangen, aber mal sehen, wie lange das Ganze auch wirklich hält und die Freude bleibt, schließlich ist China ja nicht für gute Qualität bekannt und das zieht sich durch alle Produktkategorien, egal ob Knöpfe, Hosen, MP3-Player oder Wolkenkratzer.
Das mühsamste aber auch amüsanteste dabei ist das Handeln. Handeln ist hier Pflicht, will man sich nicht selber maßlos über’s Ohr hauen. Das schwierigste daran ist, eine realistische Preisidee zu haben. Genau hier liegt der Knackpunkt, wo die meisten Chinesen gewinnen. Mir zum Beispiel ist es schleierhaft, wie man eine mechanische Armbanduhr mit Datums- und Wochentaganzeige, die sich selbst aufzieht (lassen wir die Marke jetzt mal weg) für umgerechnet 10 € überhaupt erst herstellen kann. In meinen ersten Versuchen, wäre dieser Preis absolut lächerlich gewesen, wenn ich sehe, wie viel man in Deutschland für vergleichbare Modelle bezahlt. Leider würden Chinesen auch um den fünffachen Preis hart feilschen, sodass man sich nie wirklich sicher ist, ob man einen guten Deal erwischt hat oder nicht. Sehr schnell sinken die Preisvorstellungen und man könnte sich in den Hintern beißen für die Unsummen, die man anfangs nach gelassen hat. Meine erste Krawatte beispielsweise habe ich für 4€ gekauft und fand sie unglaublich billig. Heute weiß ich, dass Krawatten maximal ein Euro wert sind.
Das Handeln an sich ist Schauspielschule und Taktikunterricht in höchster Form. Jeder hat seine ganz eigene Strategie, den Preis zu senken. Ob man nun sein ganzes Geld versteckt und den Verkäufer ein fast leeres Portemonnaie hinhält und sagt: „Tut mir leid, aber ich habe nicht mehr“ oder hoch und heilig verspricht, dass man bei einem guten Preis mit Freunden zurückkommt und ganz viel mehr kaufen wird, ist jedem selbst überlassen und ist mehr oder weniger erfolgreich. Das wichtigste ist, man muss seine Emotionen völlig unter Kontrolle haben. Sobald der Verkäufer merkt, dir gefällt etwas wirklich, hast du verloren, da er weiß, du bist bereit sehr viel mehr auszugeben als es wert ist. Erste Devise ist daher: Stetes Desinteresse zeigen und so tun, als brauche man gar nichts und suche nur nach Schnäppchen. Lässt man den Verkäufer nicht mindestens einmal hängen und läuft einfach weg, kann man sicher sein, man bekommt keinen guten Preis. Leider muss man pro Artikel, den man kaufen will, etwas Zeit einplanen. Handeln in Eile ist einfach nur unmöglich und frustrierend.
Ich habe inzwischen meine ganz eigene Strategie entwickelt, die aber auch nur wirkt, weil die meisten Verkäufer weiblich und in meinem Alter sind. In der Regel sind Chinesen sehr beeindruckt, wenn man als Westler etwas Chinesisch sprechen kann, was einem unglaubliche Pluspunkte einheimst. Nun habe ich das Glück, dass mich scheinbar die meisten Chinesen hübsch und charmant finden, sodass ich mit etwas Smalltalk und Geflirte sehr schnell Sympathie ernte. So versuche ich die ersten fünf bis zehn Minuten vom eigentlichen Geschäft abzulenken und nur zu reden und sobald das geschafft ist, ist der Rest ein wahres Kinderspiel. Eigentlich brauch ich danach gar nicht mehr zu handeln.

Letzter Monat - The bitter sweet months

Die letzte Zeit war so ziemlich davon geprägt, dass der Alltag früher oder später jeden ins Genick schlug. Uni wird öde, man macht jeden Tag das Gleiche, der Freundeskreis hat sich verfestigt, man lernt kaum noch neue Leute kennen, alles was man bis jetzt nicht organisiert hat liegt brach und wird auch nichts mehr, die ersten bekommen Heimweh. Zudem ist es die Zeit in der das Wetter ziemlich eklig wird, für manche ziemlich überraschend, wie für mich, die dachten, dass es im Winter hier chillige 15°C geben würde. Leider nein, die Winter hier sind mit den Wintern in Berlin ziemlich vergleichbar. Vielleicht etwas weniger Schnee. Und so wurde der November wie so typisch ziemlich depressiv. Die Südländer beschweren sich über das kalte Wetter, die anderen über die schlechte Isolierung und Heizungen und beim verzweifelten Einmummeln in Decken und Pullovern und Videosgucken schießen überall Beziehungsprobleme aus dem Boden. Zudem ist es die Zeit in der wirklich jeder krank wird und jeder jeden ansteckt und so hatte auch ich meine zwei Wochen Bettlägerigkeit, leider gerade in der Prüfungsphase, in der man einfach alles zum Teufel wünscht. Kleine Highlights wie eine zweitägige Klassenfahrt, Halloween (was hier wirklich gelungen war, da sich mal jeder sehr viel Mühe für Kostüme gab) oder die immer widerkehrenden Uniparties schaffen es dann Gott-sei-Dank doch immer wieder, das triste Gemüt etwas aufzulockern. Und seit diesem Wochenende gibt es einen neuen hellen Stern am Himmel, den wir verfolgen können: Meine Freunde und ich fahren im Januar nach Thailand, dann ist endlich Schluss mit dem Wintertrübsalblasen.
Des Weiterem teilen viele unserer Auslandsstudenten ähnliche Schicksäle, so werden zum Beispiel reihenweise Fahrräder geklaut, was aber trotzdem niemanden dazu veranlasst, sein Fahrrad irgendwo anzuschließen anstelle vom üblichen Radschloss. Kreditkarten stapeln sich in der Bank, weil jeder früher oder später Opfer der tückischen chinesischen Bankautomaten wird, die einem ERST das Geld und DANN erst die Karte ausspucken. Aber geldgierig wie wir alle sind wollen wir bloß die Scheine haben um dann schnell zu verschwinden und alles wieder auszugeben.

Hangzhou - Next Stop: Paradise

Zum Nationalfeiertag (Anfang Oktober :-S Asche auf mein Haupt) ging es nach langen Hin- und Hergeplane und der Furcht, dass man die fünf Tage Ferien komplett vergammelt, für meinen Kumpel Andrew und mich nach Hangzhou, einer von Shanghais Ausflugsstädten, mit dem Schnellzug eine knappe Stunde entfernt. Als wir angekommen sind, musste ich mit Erstaunen feststellen, dass Hangzhou die erste wirklich schöne(!) Stadt ist, die ich in China gesehen habe. Sie ähnelt eher einer großen Parkanlage und ist somit auffallend grün und sauber. Das zieht auch nach sich, dass viele reiche Chinesen ähnlich denken und hier herziehen, was der Stadt gewissen Reichtum verschafft und so reihen sich Geschäfte von Prada und Cartier bis zu Maserati und Aston Martin aneinander, was nicht weniger beeindruckend ist. Dadurch, dass zu den spärlichen Ferien, die es in China gibt, das gesamte Volk auf Reise geht, gestaltete sich unsere Suche nach einer Unterkunft etwas schwierig. Unser Plan, einfach durchzumachen oder auf einer Parkbank zu schlafen, was klimatisch noch durchaus machbar war, war auch nicht so die beste Idee. Letztendlich fanden wir dann doch eine Jugendherberge, die noch Raum hatte und uns sogar ohne Pässe, die wir typischer Weise zu Hause liegen lassen haben, aufnahm. Als wir dann den Raum betraten, wussten wir auch wieso. Das erste was uns auffiel war, dass es im Zehnbett-Dormitory im Kellergeschoss kein Licht gab. Mit Handylicht auf Schranksuche viel uns dann auf, dass die Schränke nicht mehr verschließbar waren. Und beim genaueren Umsehen wurde deutlich, dass der komplette Raum mit Schimmel überzogen war, was uns schon nach wenigen Minuten Atemschwierigkeiten verschaffte. Gott-sei-Dank bekamen wir aber problemlos ein Ersatzzimmer, was deutlich besser war.
Unsere Reisepläne waren, dass wir am ersten Tag mit einer Bustour, die bis auf die obligatorischen Besichtigung der Seidenfabrik und der Teeverkostung ganz gut war, die etwas weiterentfernten Sehenswürdigkeiten ansehen und am nächsten Tag uns Fahrräder ausleihen und das Innere der Stadt besichtigen. In Hangzhou gibt es ein kostenloses Fahrradverleihsystem, was mehr oder weniger als öffentliches Verkehrsmittel dient, da man die Fahrräder an unterschiedlichen Stellen wieder abgeben kann. Das finde ich sehr bemerkenswert. Für uns kam das leider nicht in Frage, da es für nur einen Tag zu aufwendig gewesen wäre. Da Andrew noch nie mit einem Tandem gefahren ist, entschieden wir uns, ein Tandem zu leihen… leider etwas kontraproduktiv, da man viele Orte das Parks nur mit normalen Fahrrädern befahren durfte, nicht aber mit einem Tandem, was mir bis heute schleierhaft ist. Der Kern Hangzhous ist ein riesiger See mit weiträumigen Parkanlagen drum herum. Darum gliedern sich dann Hangzhous Prunk- und Prachtstraßen, Touriszenen und die Universität und je weiter man sich davon entfernt, desto gewöhnlich wird alles. Nach zwei Tagen Erholung (zumindest für mich, Andrew meinte, er sei noch nie so viel Fahrrad gefahren und gelaufen) ging es dann Freitagabend wieder in die heimischen Gefilde, um rechtzeitig am Samstag wieder fit für die Uni zu sein. Ja, in China ist das so Gang und Gebe, dass man nach Feiertagen das Wochenende darauf arbeiten muss, sodass man nicht allzu viel frei bekommt.

Sonntag, 25. September 2011

Freizeit - Thank god it's Friday

Freizeit habe ich hier, wenn ich mir meinen Stundenplan ansehe, ja eigentlich mehr als genug, aber irgendwie bleibt davon nach ausgelassenem Mittag, Lernen (wovon ich mich aber allzu gern drücke) und Mittagsschlaf (Konzentration auf Fremdsprachen ist unwahrscheinlich kräfteraubend) nicht mehr allzu viel übrig.
Im Großen und Ganzen sieht meine Freizeitgestaltung ganz anders aus, als ich es mir ursprünglich ausgemalt habe.
Ursprünglich wollte ich jeden Morgen aufstehen und früh um 6 Taiji lernen. Tatsächlich bin ich früh um 6 viel zu müde, stehe stattdessen so knapp auf, dass ich der deutschen Pünktlichkeit nicht wirklich große Ehre mache und gebe ab und an selber einem kleinen persönlichen Fanclub aus Chinesen und Westlern Taiji-Unterricht.
Ursprünglich wollte ich einer Kungfu-Schule beitreten und jeden Tag trainieren. Tatsächlich sind diese hier aber sehr mager und übertrieben teuer, sodass ich es vorgezogen habe, mit einigen meiner Kommilitonen eine Art Fight Club zu gründen und gegeneinander zu kämpfen. Aber wer weiß, vielleicht profitiere ich davon sogar mehr. Auf jeden Fall habe ich so Leute kennengelernt, die ich sonst nie gesehen hätte und es ist faszinierend, wie Leute wie zum Beispiel mein kasachischer Freund und ich, die sich kaum ein Wort unterhalten können, durch eine geteilte Leidenschaft trotzdem verstehen.
Ursprünglich wollte ich regelmäßig das chinesische Angebot an Massagen und ähnlichen Annehmlichkeiten genießen. Tatsächlich hab ich dazu gar keine Zeit, da man hier auf einem Schlag so viele neue Leute kennenlernt, dass man gar kein Interesse hat, auch nur irgendeine Minute alleine zu verbringen.
Grund zum Feiern gibt es hier zur Genüge. Ob an einem Mittwochabend zur Ladies Night im Financial Tower in der welthöchsten Bar bei geschnorrten Champagner ohne Ende, oder im Wohnheim der Uni zum Geburtstag einer unserer Afrikaner, die die Gastfreundlichkeit in Person sind, der sein Zimmer kurzerhand zur Partylocation umfunktioniert hat. Langweilig wurde mir bis jetzt hier jedenfalls nie, ganz im Gegenteil, mir fehlt eher die Zeit um zum Beispiel Blog zu schreiben.

Unialltag – Platipus: Connecting people

Mein Unialltag in China ist in der Regel sehr ruhig und gelassen und genau so, wie es in unserem Chinesischlehrbuch portraitiert war. Ich habe jeden Tag von 8:30 bis 11:45 Unterricht, mittendrin 15 Minuten Pause, in denen ganze Herden von Ausländern den kleinen Kiosk vorm Gebäude plündern. In der ersten Woche hatten alle Studenten die Möglichkeit, eine passende Klasse zu finden, da der placement test am Anfang doch recht kurz ausfiel und manche Kommilitonen zu gut oder zu schlecht eingestuft wurden. Ab der zweiten Woche legte sich dann der Tumult des Hin- und Herwanderns, sodass meine jetzige Klasse zum größten Teil aus Koreanern besteht, die allesamt fürchterlich nett sind, aber leider die Eigenschaft haben, sich abzukapseln. Aber ich habe schon mein erstes koreanisches Wort gelernt: „Schnabeltier“, welches ich äußerst angebracht finde, als ice breaker in Konversationen zu verwenden. Disziplin scheint hier ein Fremdwort zu sein. Jeder kommt und geht wann er will, es wird teilweise im Unterricht telefoniert, die 15 Minuten Pause werden regelmäßig auf 25 Minuten ausgedehnt und unsere Lehrer stehen machtlos und nichtssagend davor. Unsere Lehrer sind übrigens großartig. Allesamt sind es Frauen Ende 20 Anfang 30, sprechen perfekt Englisch und ihnen gelingt es meisterhaft selbst komplizierte Sachverhalte nur in Chinesisch so zu erklären, dass es auch wir Anfänger verstehen und nur sehr bedingt auf die guten Englischkenntnisse zurückgreifen müssen. Im Chinesischunterricht fühle ich mich also gut aufgehoben. Leider ist es mir nicht gelungen, trotz Mühen in irgendwelche Sportkurse zu gelangen. Alles was mich interessiert ist entweder morgens, nur für Mädels oder schon zu voll. Allerdings gibt es ein gigantisches Freizeitsportangebot, welches auch gut genutzt wird.
Nach dem Unterricht geht es in der Regel gemeinsam zur Mensa oder zu einen der vielen kleinen Restaurants in der nahen Umgebung (es gibt sie also doch, sie sind nur auf der anderen Seite des Campus gelegen). Das Angebot ist groß und die Preise allesamt sehr passabel. Für 1 – 1,5 € wird man hier gut satt. Blöderweise zieht das nach sich, dass sich Kochen so gut wie gar nicht lohnt, da die Zutaten teurer sind als das fertige Gericht im Restaurant, sodass meine voll ausgestatte Küche für kaum etwas herauskommt. Unser Campus hat insgesamt drei Mensen. Diese sind so gebaut, dass man in der Mitte Hunderte von Tischen und Bänken findet und drum herum viele kleine Garküchen eingerichtet sind, die allesamt etwas verschieden sind. Ein wenig Probleme bereitet eine ältere Frau, die jeden Tag in die Mensa kommt und die Reste der Studenten aufisst und dadurch recht aufdringlich werden kann. Nachmittags haben wir immer frei.

Montag, 5. September 2011

Mein fahrbarer Untersatz (2. Teil) – Tetris for the intersections

Shanghai ist längst nicht so groß wie Beijing (zumindest flächenmäßig, gefühlt und auf die Innenstadt bezogen) und da die U-Bahn dafür aber mindestens doppelt so viel kostet (etwa 40 Cent pro Fahrt), schien ein eigenes Gefährt eine gute Alternative zu sein. In meinem FSJ hatte ich damals ja schon ein Fahrrad erworben, welches ich nicht toppen könnte in Frage Stil. So dachte ich. (http://mgoermer.blogspot.com/2009/04/ich-und-mein-selbstfahr-fahrzeug.html)
Aber ich habe mich getäuscht, man kann! Beim Fahrradkauf hat mir ein Arbeiter geholfen, der die Wohnung miteingerichtet hat (die übrigens immer noch nicht fertig ist). Ganz prompt hat er mir seine Hilfe angeboten, als ich ihm von meiner Suche erzählt habe und so sind wir zusammen losgestiefelt. Als wir in der näheren Umgebung nichts finden konnten, haben wir im Internet weitergesucht. Meine Bedingungen waren: Unter 20 €, Farbe egal, nur kein Pink, vorzugsweise Schwarz. Schnell haben wir einen Händler gefunden, der sogar das Fahrrad geliefert hat, nachdem wir herausfanden, dass es ziemlich weit weg war. Am Telefon wurde mir dann berichtet, dass sie keine schwarzen Exemplare mehr hätten, ob denn auch ???-blau ginge? „Blau klingt gut“, dachte ich mir (auch wenn ich nur die Hälfte verstanden habe) und stimmte zu. Eine halbe Stunde später kam dann mein schickes neues lila Fahrrad (tja, bei ???-blau handelte es sich leider um Veilchen-blau). Soviel zu „Hauptsache kein Pink“. Aber egal, immerhin hat es nur 19 € gekostet und bringt mich, wenn auch klapprig, von A nach B. Nur ein Körbchen hat es noch nicht, das muss ich mir noch besorgen. Und so erkunde ich nun Shanghai auf meinem Homobil, welches überall für grinsende Gesichter und lustige Stories sorgt.
Fahrräder sind in Shanghai streckenweise das einzige Verkehrsmittel, was sich die Leute leisten können, sodass man hier davon jede Menge zu sehen bekommt. Noch beliebter ist sein elektrischer großer Bruder, das E-Bike, der Tod auf Straßen, da es absolut geräuschlos Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreichen kann, und die Brennstoffvariante, der gute alte Scooter, der hier aber nicht selten für eine ganze Familie auf einmal herhalten muss (oder in Tibet für 3 Männer und eine Ziege). Zweiräder sind jedenfalls the vehicle to have, da sie sich durch jede noch so kleine Lücke drängeln können, auch wenn die motorisierten Varianten nicht unbedingt von ihrem Geschwindigkeitsbonus profitieren können. Auf meinem klapprigen Homobil bin ich allemal schneller als der Rest. Allerdings transportiere ich auch keine 200 kg Chinakohl sodass ein Scootermotor beim kleinsten Anstieg nicht mehr reicht und man mit den Beinen nachhelfen muss. Fahrradfahren in Shanghai ist Überlebenstraining pur, da, wie gesagt, jeder fährt, wie er will, und man kontinuierlich höllisch aufpassen muss. Allerdings war mir das ja schon bewusst. Eine ganz andere Hürde stellt das Nichtfahren dar. Wo man in Berlin Probleme hat, sein Auto zu parken, hat man hier eben diese Probleme mit seinem Fahrrad, was eine völlig neue Erfahrung ist. Fahrräder darf man nicht einfach irgendwo abstellen, was bei der Menge auch Sinn macht. Nein, es gibt extra eingerichtete Fahrradparkplätze, wo man sie schön in Reih und Glied abstellen kann. Nun sind aber viele davon nur nach Bezahlung zu nutzen, während die Kostenfreien oftmals gnadenlos überfüllt sind (gerade an Bahnhöfen oder Einkaufscentren). Und so ergibt es sich, dass ich hier nicht selten mit meinem Fahrrad auf Parkplatzsuche bin, was ich mir nie hätte träumen lassen.

Freitag, 2. September 2011

Verkehr(t) (2. Teil) - Real life Frogger for freeee!

Ich möchte hier nochmal das Thema Verkehr aufgreifen, da es einfach immer wieder für jeden Westler ein riesiges Abenteuer ist und bleibt, in China von A nach B zu gelangen. Dieser Beitrag hat starken Bezug zu meinen ersten Bericht über Verkehr in China von 08/2008 (http://mgoermer.blogspot.com/2008/08/autofahren.html).
Anders als auf dem Land oder in manchen Teilen von Beijing gibt es in Shanghai eine doch recht normale Straßenverkehrsordnung. Überall sind Ampeln, die sogar die Sekunden bis zum Farbwechsel anzeigen, Zebrastreifen, markierte Spuren und im Großen und Ganzen halten sich auch alle an die Regeln. Allerdings werden sie halt immer wieder gedehnt und verzerrt bis man sie so auslegen kann, dass es einem gerade passt. So gibt es zum Beispiel keine festgelegten Haltelinien an Kreuzungen. Dadurch dass die Ampeln meist hinter der Kreuzung hängen und nicht so wie bei uns davor, sind sie von überall sichtbar und man kann halt beliebig weit „vorfahren“, was von vielen Verkehrsteilnehmen schon soweit perfektioniert wurde, dass die Stoßstange schon fast am Lack der vorbeifahrenden Autos kratzt. Doch in unklaren Situationen gibt es ja Gott sei Dank die Hupe, irgendwie klären Chinesen damit einfach alles. Solange man von einer Karossiere geschützt ist, ist man jedoch noch relativ sicher, gefährlich leben allerdings die Fußgänger. Fußgänger haben das Problem, dass Rechtsabbieger einfach so gut wie nie auf sie achten (besser gesagt, sie achten schon darauf, legen es aber drauf an und sind meist die Stärkeren), was einem NIE eine sichere Straßenüberquerung bei Grün garantiert. Eigentlich ist es egal, ob man die Straße bei Rot oder Grün zu Fuß überquert, Verkehr ist ständig. Und so greift wieder die Traubenregel, die ich schon in Beijing kennengelernt habe: Man stellt sich an den Straßenrand (natürlich soweit wie möglich an die vorbeibretternden Autos) und wartet. Man wartet auf andere Leute, die auch auf die andere Seite wollen. Irgendwann ist die Menschentraube groß genug, dass man mächtiger ist als die Autos und läuft einfach los. Egal bei welche Farbe. Kritisch wird es, wenn man an weniger frequentierten Stellen über die Straße möchte oder es wirklich eilig hat. Nun, kennt ihr noch Frogger, das Computerspiel, wo man als Frosch irgendwie über eine Autobahn muss und von Fahrbahn zu Fahrbahn springt um Autos auszuweichen? Genauso läuft es hier ab, mit dem einzigen Unterschied, dass die Autos hier die Fahrbahn wechseln können. Und natürlich, dass man nur ein Leben hat.

Donnerstag, 1. September 2011

Meine eigenen vier Wände - Swedish House Mafia (alias IKEA) Save the world!

Als ich meine Wohnung gefunden habe, ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen und ich bin doch sehr erleichtert darüber. Gestern bin ich nun eingezogen nachdem ich einen Tag lang nach dem Fund freudig durch die Gegend gesprungen bin. Ich wohne jetzt in einen nigel-nagel-neuen Compound mit vielen kleinen pieksauberen Grünflächen direkt gegenüber von meiner Uni ziemlich im Herzen der Stadt. Die Wohnung ist riesig, frisch renoviert und hat alles was man braucht (oder auch nicht): komplette Küche, Bad mit Badewanne, Klimaanlage in jedem Raum, Balkon, Internet, Flatscreen-TV, Zimmermädchen… einfach alles und komplett möbliert mit der Möglichkeit, dass ich Extrawünsche angeben kann und das dann aus dem Lager bekomme. Naja, so ganz bezugsfertig war sie noch nicht, im Moment wird noch kräftig gewerkelt, wobei es sich nur noch um Stunden handeln wird, bis alles fertig ist. Da ich nicht viel zu tun habe und die Arbeiter total nett sind, helfe ich ordentlich mit und kann einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: IKEA-Schränke zusammen schrauben (was bei uns Studentenwohnungsinterior ist, ist hier hoher Standard). Mit mir sollen noch zwei andere Leute das Apartment beziehen, aber die sind noch nicht gefunden, sodass ich erstmal alleine wohne. In der Umgebung habe ich alles was man braucht inkl. Massage und riesigen Park zum Sport machen und wenn irgendwas fehlen sollte gibt es ja noch den extra für die hier Wohnenden kostenlosen Shuttle-Service zur nahegelegenen Mall (nicht die in der Uni ^^), wo es dann wirklich alles gibt. Achso, und das Ganze ist übrigens immer noch billiger als das olle Studentenwohnheim! Was ganz interessant werde dürfte, ist das Bezahlen von der Miete und Rechnungen. Das kann ich nämlich nur in bar machen und wird dann folgendermaßen aussehen: Da ich drei Monatsmieten immer im Voraus bezahlen muss und der größte verfügbare Geldschein in China etwa 10 € Wert ist und alles halt bar sein muss, werde ich wohl mit einen Bündel von so um die 100 Scheine durch die Gegend wackeln um diese dann im nächsten Supermarkt (!!! – naja okay, Bank und Post geht auch) einzuzahlen. Ich bin gespannt.

Wohnungssuche - How to fool a foreigner...

Bereits in Deutschland war mir eigentlich schon ziemlich klar, dass ich wahrscheinlich nicht im Wohnheim wohnen werde. Damals sprachen noch Gründe dagegen, wie dass man jeden Abend vor 23:00 zu Hause sein muss, da man sonst ausgeschlossen wird, Nachtruhe, und die Tatsache, dass es nur schwer möglich ist, Besuch zu haben. Was davon wirklich wahr ist, konnte ich bis jetzt leider nie in Erfahrung bringen. Daher wollte ich mich zumindest nach Alternativen umsehen und so wagte ich am dritten Tag nach meiner Anreise, nachdem ich vorher nur in der näheren Umgebung rumgedümpelt bin, den etwas weiteren Weg zu meiner Uni. Meine Uni wurde ja in allen Beschreibungen, die ich zuvor gelesen habe, ohne Ende lobgepriesen. Mit großem Entsetzen musste ich leider feststellen, dass es sich dabei wohl nur um haarsträubende chinesische Übertreibungen handelt, in dem Moment wo ich das Unigelände betrat. Ich hatte mir extra einen Tag genommen, um das „ach so riesige Gelände“ zu Fuß zu durchqueren und mir die Wohnheime anzugucken. Nun gut, nach gut einer Stunde war ich vor und zurück und kreuz und quer gelaufen und hatte das gesamte Gelände komplett besichtigt. Ich bin schon auf meinen ersten Klassenausflug gespannt, wo sich der Lehrer auf die „weite“ Reise begibt (etwa zehn Minuten), mit den Studenten zum Osttor zu gelangen, um die lokalen „zahlreichen“ Restaurants (so zwei oder drei) kennenzulernen. Die „Shopping Mall“, die sich auf den Gelände befindet, entpuppte sich ebenfalls nur als Anreihung von Minimärkten: einen für Getränke und Snacks, einen für Schreibwaren, irgendwas anderes und ein Friseur. Das war dann die „Mall“. Beim Laufen fiel mir außerdem auf, dass auch der Beiname „Parkuniversität“ nicht so ganz der Wahrheit entsprach. Das stimmte allemal für die Gegenden mit administrativen Gebäuden, vor denen in der Tat gut gepflegte Grünflächen existieren. Auch die Straßen sind mit Pappeln gesäumt, was in China recht einzigartig ist. Doch wird es im Großen und Ganzen, je weiter man sich vorkämpft, immer weniger grün und mistig. Die Wohnheime glichen dann eigentlich schon normalen ollen Arbeitersiedlungen. Die Fahrradparkplätze schienen zu Müllhalden umfunktioniert worden zu sein und ich frage mich ernsthaft, wie sie in der einen Woche bis Unistart das alles aufräumen wollen, wenn es denn überhaupt geplant ist. Erreichen konnte ich leider nichts, da die Vermietung erst im September beginnt. Als ich allerdings erfahren habe, dass für ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsküche und –bad ein stolzer Preis von umgerechnet 12 € pro Tag verlangt wird, war mir klar, dass ich hier nicht wohnen will!
So fing ich an im Internet nach nahegelegenen Wohnungen zu suchen und fand glücklicherweise recht bald eine WG-Börse für Shanghai. Nachdem ich alle in Frage kommenden Angebote kontaktiert hatte, fing ich den nächsten Tag mit Besichtigungen an. Im Prinzip glichen sich alle ziemlich in Lage, Preis und Qualität, bis auf meine jetzige Wohnung, die in Sachen Qualität deutlich herausstach.

Ankunft/Erste Tage - Oh s**t, I wet my pants!

Nach einem kurzen Zwischenstopp auf meiner Reise in Zürich, wo ich von jodelnden Zügen und der Tatsache, dass es doch ernsthaft erlaubt ist, in der Schweiz Taschenmesser im Handgepäck mitzuführen, verblüfft wurde, hat mich China warmherzig und mit offenen Armen willkommen geheißen: mit heftigen Monsunregen, Bettwanzen in der Jugendherberge und der obligatorischen Magenverstimmung in den ersten Tagen.
Angekommen am Flughafen Pudong kam ich erst einmal in den altbekannten Kampf mit den Taxifahrern. „Go where? Very cheap, only because you are friend!“ hört man es immer wieder, auch wenn man Ihnen unmissverständlich zu verstehen gibt, dass man nur zur U-Bahn will, die ich erst lernen musste zu finden.
Sobald ich nach der Anunft aus dem U-Bahnhof hinaustrat, startete ein Wolkenbruch, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Innerhalb von Minuten waren die Straßen knöcheltief überschwemmt. Sofort kamen aus allen Ecken fliegende Händler mit Regenschirmen. Interessanterweise findet man in China immer genau das, was man in dem Moment am dringendsten braucht, im Überfluss. Und so war meine erste Investition ein simpler schwarzer Regenschirm für 1 €. Allerdings war er nicht mal das wenige Geld wert, da es sich doch um ein recht einfaches Modell handelt, was nur aus einem sehr simplen Drahtgestell besteht, welches mit einem Stoff bezogen ist, der garantiert nicht wasserdicht ist. Allerdings könnte es auch am Regen gelegen haben, der so heftig war, dass ich bezweifle, dass auch nur irgendein Schirm dagegen angekommen wäre. Sporadisch trage ich den Schirm jedoch immer bei mir, auch wenn er wahrscheinlich nur gegen sengende Sonne zu gebrauchen ist, die ich hier aber bis jetzt noch nicht gesehen habe. Geizig, wie ich manchmal bin, machte ich mich nun im strömenden Regen zu Fuß auf den gut beschriebenen Weg zur Jugendherberge, den riesigen Koffer, der mindestens so wasserdicht ist wie mein Schirm, durch das Wasser schleifend im Schlepptau. Nachdem ich triefnass in der Jugendherberge ankam hätte ich mich eigentlich nur in den Hintern beißen können, dass ich den einen Euro für das Taxi unbedingt sparen musste. Jetzt muss ich wahrscheinlich das Fünffache ausgeben, um meine nicht trocknenden, zu schimmeln anfangenden Hosen wieder sauber zu bekommen, da mein Koffer den ganzen Regen regelrecht aufgesogen hat und meine ganzen Klamotten klatschnass geworden sind.
Ähnlich dumm war mein Geiz bei der Nahrungssuche. Vielleicht war es nicht ganz so klug von mir, gleich in den ersten Tagen zu gucken, wo ich das billigste Essen bekomme, da ich mit den üblichen Verdauungsproblemen bestraft wurde, die eigentlich jeder Ausländer im ersten Monat mindestens einmal bekommt.
Bei meinen ersten Ausflügen in die nähere Umgebung wurde mir bewusst, was für eine großartige Stadt Shanghai doch ist. Allerdings ist Shanghai verdammt teuer im Vergleich zum restlichen China, sodass man doch recht viel Geld ausgeben muss um die wirklich tollen Sachen zu erleben.

Dienstag, 14. Juli 2009

Letzter Bericht

Viele von euch werden ja sicherlich wissen, dass Meinungs- und Pressefreiheit ein Thema ist, welches in der Volksrepublik nicht gerade sehr groß geschrieben wird. Radio und Fernsehen wird hier vom Staat überwacht und das Internet, was ja kein Blatt vor den Mund nimmt, wird zensiert wo es nur geht. So ist leider nun auch meine Blog Community der Zensur zum Opfer gefallen, sodass ich nun keinen Zugriff mehr auf meinen Blog habe. Daher möchte ich mich entschuldigen, dass es nun so lange keine Neuigkeiten mehr von mir gab. Diesen Beitrag konnte ich nur Dank meiner Eltern veröffentlichen und wird auch der letzte sein, da ich nur noch 2 Wochen im Dienst sein werde.
Unsere letzte Reise, die wir unternommen haben, führte uns in die Brutstätte des chinesischen Hasses auf Japan, NanJing. NanJing war Opfer des Japanüberfalls 1937, wo 300 000 chinesische Zivilisten ermordet wurden. Da sich Japan bis heute nicht dafür entschuldigt hat, wird es ihnen von den Chinesen immer wieder angekreidet. (Kleine Anekdote am Rand: Wir malen im Englischunterricht im Kindergarten immer Bildchen an die Tafel und sagen anschließend in Englisch und Chinesisch, was das ist. Den einen Tag haben wir Berufe gelehrt. Als wir für den Polizisten einen Mann mit Pistole malten, rief einer unserer Kleinen „Japaner!“.) Unser Ausflug in NanJing war daher von Museumsbesuchen geprägt. Anschließend haben wir einen Abstecher in die westlich-chinesische Metropole ShangHai gemacht, wo neben dem höchsten Gebäude der Welt OHNE Antenne westliche und chinesische Architektur und Kultur hart auf hart zusammenprallt.
Die restliche Zeit war geprägt von einem unfreundlichen ARD Fernsehteam, welches zwei Tage in unserer Einrichtung war um einen Dokufilm zu drehen aber dabei keine „Langnasen“ im Bild haben wollte, meinem ersten Bungee-Sprung aus 50 Meter Höhe und einem kleinen Auftritt im chinesischen Fernsehen. Auf einem unserer Stadtbummel durch BeiJing wurden wir nämlich von einem Casting Director des CCTV angesprochen und eine Woche später wurden Lukas und ich als Statisten für eine chinesische Serie eingeladen. So hatten wir die Chance, live zu sehen, wie ein Film gedreht wird und durften sogar 10 Sekunden darin mitspielen. Unsere Rolle war es, 2 von insgesamt 6 westlichen Partyanimals zu spielen, die unerwartet in einem Haus von Chinesen feiern. Ganz schöner Kitsch. Im Herbst/Winter soll es dann gesendet werden.
In der Schule und im Kindergarten ist nun die letzte Woche angebrochen, bevor es in die langersehnten Ferien geht und wir wohl wieder arbeitslos sein werden. Beide Arbeiten machen wirklich zunehmend Spaß, vor allem da man bei dem jetzigen Wetter regelmäßig ins Freie gehen kann. Letzte Woche haben wir dem Kindergarten ein Set Wasserspritzpistolen geschenkt, mit dem wir uns nun schon unerbittliche Schlachten liefern, was den Kindern von klein bis groß einen Mordsgaudi macht.
Unsere Jüngsten realisieren so langsam, dass wir nur noch wenige Tage da sein werden und werden extrem anhänglich. Schon seit gut einer Woche suchen sie sehr verstärkt unsere Nähe und sammeln Telefonnummern und Adressen mit dem Versprechen, dass sie uns schreiben, sobald sie schreiben gelernt haben. Am liebsten würden sie aber nach Deutschland mitkommen.
In nun gut einem Monat werde ich dann wieder zu Hause sein und in der Lage sein, euch persönlich alles zu erzählen (falls es euch denn interessiert :-P). Rückblickend muss ich ehrlich zugeben, dass, auch wenn es mir hier immer gut ging und ich bestimmt viel gelernt habe, ich ziemlich viel vermisse aus Deutschland und ich mich auf meine Rückkehr sehr freue.

Dienstag, 5. Mai 2009

Ausflug nach ShaoLin

Nach dem wir unsere 7-tägigen Ferien teilen mussten, weil Lukas am 1. Mai am „Großen Mauer - Marathon“ teilgenommen hat, den er im übrigen als erster von sechzehn Teilnehmern gewonnen hat (meinen Glückwunsch!), sind wir die letzten drei Tage in die Henan Provinz gefahren, um uns das sagenumwobene Shaolin Kloster anzusehen. So sagenhaft ist es leider nicht mehr, im Laufe der Jahre hat es sich eher zu einen „Disneyland DengFeng“ entwickelt, jedenfalls wird aus dem Können der „Mönche“, die keine echten Mönche sind, mächtig Profit geschlagen. Angekommen in DengFeng, einer Stadt sehr nahe des Klosters, welche mehr oder weniger vom Kung Fu lebt, haben wir uns erstmals komplett in die Hände eines Chinesen gegeben, der Taxifahrten, Unterkunft und alles für uns sehr kompetent gemanaged hat (auch wenn wir oft unsere Bedenken hatten). DengFeng ist ein Örtchen mit etwa 600 000 Einwohnern, welches doch noch ein ganzes Stück rückständiger ist als alle anderen chinesischen Städte, die wir bis jetzt gesehen haben. Nachdem das eigentliche Shaolin Kloster an die Grenzen seiner Schülerkapazitäten kam, haben sich hier nach und nach Kung Fu Schulen angesiedelt. Inzwischen sind es um die 100 Schulen mit schätzungsweise um die 1000 Schüler pro Schule. Von früh um 6:00 bis abends um 8:00 sieht man diese durch die Straßen laufen und trainieren. Eine dieser Schulen haben wir besucht, wo wir auch auf einige ausländische Schüler getroffen sind. Als wir dort waren, hatten wir gerade das Glück (oder Pech, wie man es nimmt), dass Wettkampfstag war, heißt, alle 4000 Schüler saßen in den Innenhöfen und mussten zusehen, wie ein paar wenige Mitschüler Formen und Kämpfe vorführten. Wir haben zwar so das reguläre Training nicht gesehen, aber dafür Kung Fu, Tai Ji und Sanda in Höchstleistung erlebt. Außerhalb der Schulen gibt es einen Waffenladen neben dem anderen. Wo ich in Peking ein halbes Jahr gebraucht habe, um gerade einmal einen zu finden, gab es hier Kung Fu Shops wie Sand am Meer. Durch und durch echt paradiesisch für mich :-)
Den nächsten Tag ging es dann zur eigentlichen Attraktion, dem Kloster. Hier wurden wir sogleich von ganzen Herden von Touristen überrannt, die die jungen „Mönche“ in Aktion sehen wollten. Wie gesagt, die Leute, die Touristen immer als Shaolin-Mönche präsentiert werden, sind keine wirklichen Mönche sondern lediglich Leute, die hier Kung Fu lernen. Die eigentlichen Mönche haben wir nicht zu Gesicht bekommen. Dafür eine Menge junger Sportler, die ihr WuShu (das Ausübenen vom traditionellen Kung Fu, also der KAMPFkunst, wurde während der Kulturrevolution verboten, was rückwirkend immer noch deutliche Spuren hinterlassen hat. Stattdessen wurde WuShu ins Leben gerufen und stark gefördert, was aus diesen Wurzeln entstand. WuShu sieht aber lediglich gut aus und ist sehr viel akkrobatischer, der Verteidigungs- und Kampfaspekt kommt aber viel zu kurz) zum Besten gaben. Insgesamt sehr beeindruckend, wenn auch viel zu touristisch. Etwas vom Hauptpfad der galoppierenden Touriherden abgewichen haben wir die Trainingsplätze der Shaolin Kung Fu Schule zu Augen bekommen. Hier standen nun tausende gleichgekleidete, kahlgeschorene junge Chinesen, aufgestellt in Reih und Glied, die auf Kommando ihres Trainers exakt das Gleiche synchronisiert taten. Bei diesen Anblick kann man eigentlich nur sagen, dass die Jungs nicht trainiert, sondern eher gezüchtet werden. Für uns wirkte es sehr militärisch. Sehr beeindruckend, aber irgendwie auch beängstigend.
Der Tempel an sich sieht aus wie jeder andere Tempel in China, allerdings ist er durch seine Lage in den Bergen sehr viel reizvoller. Durch den angrenzenden Pagodenwald ging es für uns weiter in die Berge, wo wir abschließend noch 4 Stunden durch tollste Berglandschaft wandern gingen.

Ausflug nach TianJin

Letzte Woche haben wir uns erstmals die Zeit genommen, in die zweite nahe gelegene Großstadt zu fahren, nach TianJin. Zuvor hatten wir nichts Gutes über TianJin gehört, vonwegen es sei schmutzig und sehr industriell, sodass wir mit geringen Erwartungen die Sache angingen. Allerdings wurden wir vom Gegenteil überzeugt. TianJin ist nach Hong Kong und ShangHai eine der Städte, in denen der westliche Einfluss sehr stark war. Vorallem zur Zeit des Bürgerkrieges siedelten sich hier die Besatzungsmächte wegen der günstigen Meerlage und Nähe zur Hauptstadt an. Viele der damaligen Konzessionsgebäude stehen noch heute und werden restauriert. In TianJin wird derzeit enorm viel gebaut, wobei in den historischen Viertel scheinbar auf den Baustil geachtet wird. Alles was schon fertig ist, sieht sehr hübsch und einladend aus. Sehr viel ist in europäischen Stilen gebaut, sodass man sich mit etwas Fantasie hier mal wie in Italien und dort mal wie in Österreich fühlen kann. Ausgesprochen gut ist auch die Küche, die neben westlicher Kost auch aus vielen Meeresfrüchten besteht. Wir haben uns einen Meeresteller zusammenstellen lassen bestehend aus 6 unterschiedlichen Tieren, die natürlich alle noch lebten, als wir mit dem Finger darauf zeigten.
„Höhepunkt“ des Ausfluges war für mich, das Grab meines Kung Fu Schulgründers Huo YuanJia zu besuchen, der in TianJin geboren wurde und dort tätig war und wie zu seiner Zeit auch heute noch als Nationalheld gefeiert wird. Natürlich ist mit TianJin in diesem Falle nicht wirklich die Stadt sondern die Provinz gemeint, was für uns bedeutete, dass wir eineinhalb Stunden in die chinesische Pampa fahren mussten, um sein Geburtshaus zu finden. Dieses ist inzwischen als kleines Museum ausgebaut (leider alles nur chinesisch erläutert) und eine Kung Fu Internatsschule hat sich daneben angesiedelt, deren Schüler uns dann auch was vormachen konnten. Sein Urenkel wohnt übrigens noch immer in diesem Ort, wie uns berichtet wurde.

Dienstag, 28. April 2009

Ich und mein „Selbstfahr-Fahrzeug“

Vorletzte Woche haben sich DaLu und ich jeder ein Fahrrad (aus dem Chinesischen: Selbstfahr-Fahrzeug) gekauft für gerade einmal 25 €. Na okay, 26 €, weil ich noch ein Körbchen wollte. Jetzt fahre ich ein schickes neues Tuntenfahrrad mit Omasattel und Körbchen in hellblau. Das Fahrrad wurde aufgrund des Toppreises natürlich auf das Nötigste reduziert, allerdings ist alles dran, was man wirklich braucht. So habe ich neben meinem äußerst praktischen Frontkörbchen auch eine Klingel (auch in hellblau), von der ich den chinesischen Gegebenheiten entsprechend häufig Gebrauch mache. In Deutschland brauchte ich nie eine Klingel. Da reichte im äußersten Notfall auch Rufen. Aber hier? Was soll ich denn hier rufen? Entweder würde man gar nicht Notiz von mir nehmen oder mich sofort als Ausländer identifizieren, um mir anschließend gebannt starrend wie eine Fliege, die eine UV-Lampe ansteuert, in die Speichen laufen. Und so klingel ich eben. Und zwar oft. Meist machen sich die Leute nichts daraus und laufen oder fahren unverdrossen weiter in den Weg, aber eigentlich kann ich nur glücklich sein darüber, da sie mich ja so offenbar nicht als Ausländer erkennen. Aber so sind sie wenigstens gewarnt und ich beruhigt. Nur die sowieso schon verängstigten Vierbeiner sind vorsichtiger. Sie scheinen zu wissen, dass sie ratz batz in den Topf kommen, wenn sie nicht aufpassen. Gäbe es ein Aufkleber „Ich klingel auch für Hunde“ würde ich glatt ein kaufen. Ansonsten hat mein Fahrrad eigentlich nicht viel. Unnötige Dinge wurden einfach weggelassen. Keine Gangschaltung, kein Licht, keine Bremsen. Also Bremsen hat es schon, aber die sind so effektiv wie ein kräftiges Auspusten in Gefahrensituation gegen Fahrtrichtung. Allerdings geben mir diese Plazebobremsen doch ein sicheres Gefühl, wenn ich sie bis Anschlag widerstandslos durchziehe. Aber Bremsen sind sowieso viel zu überbewertet, jedenfalls wissen Chinesen, dass es auch ohne geht. „Wer bremst, verliert“, dass das ein Chinese gesagt hat, da möcht‘ ich wetten. In China fährt man stehts drum herum. Beim gefüllten Nachmittagsverkehr kann das schon einmal ein ganz schönes Drunter und Drüber ergeben. Wenn man hier etwas meistert, dann Antizipation.
Jedenfalls erlebe ich den Verkehr nun als aktiver Verkehrsteilnehmer aus einer ganz anderen Perspektive. Ich bin hier zwar schon Auto, Traktor, Minibus und sogar beladene LKWs gefahren, aber das war nichts im Vergleich zum Fahrrad. Zweimal die Woche fahre ich jetzt nach Langfang, also der nächsten großen Stadt, um ins Fitnesscenter zu gehen. Leider jedes mal zur Rush Hour. Bisher haben wir uns gefragt, für welche Zeit die Langfanger Infrastruktur ausgelegt ist mit den 8-spurigen Straßen, die immer leer sind. Damals dachten wir noch in Dekaden. Jetzt weiß ich’s, für die Zeit von 17:00 -18:00 Uhr. In dieser Zeit sind sowohl die vier Spuren Straße als auch die vier Spuren Fahrradstraße gerammelt voll. Da man sich generell nicht an Überhohl- oder Vorfahrtsregeln hällt, ist eine Fahrt in dieser Zeit reinstes Konzentrationstraining, vorallem ohne Bremsen. Doch spätestens wenn ein Taxifahrer das dritte mal nach deutschem Recht einem die Vorfahrt nimmt und einen dabei groß anglotzt, fängt man als Deutscher an, das Alphabet von Ar... bis Wi... durchzufluchen. Auf den Fahrradstraßen ist man davor im Großen und Ganzen gefeit. Dort schlägt man sich nur mit etwa 50 weiteren Fahrradfahrern pro Ar durch die Straßen, wobei Chinesen alles per Rad transportieren, von 3 Meter langen Baustahl bis 100 Liter - Kantinentöpfe ist da alles dabei. Hin und wieder (also etwa im 20 Sekunden-Takt) gibt es auch Geisterfahrer, die sich in diesem Gewühl auch noch in die andere Richtung drängeln müssen. Spannend wird es aber vorallem nachts, wenn man aufgrund fehlender Sonneneinstrahlung nichts mehr sieht. Zum einen ist man zwar um einiges einsamer als tagsüber, zum anderen sieht man ungesicherte Baustellen oft erst im letzten Moment. Auf der Landstraße kämpft man dann erst recht mit dem Problem der Sicht. Chinesen fahren entweder ohne Licht, um Strom zu sparen (Lieblingsfahrzeug der Chinesen ist das Elektrofahrzeug, was mit Licht betrieben mitunter nicht mehr die erforderliche Reichweite hat) oder weil es nicht vorhanden ist, oder mit Fernlicht. Gerade die Chinesen, die die auf dem Land extrem seltenen Xenon-Scheinwerfer haben, müssen damit natürlich prahlen und fahren gern mal lange Strecken mit Dauerlichthupe. Also sieht man Mitstraßenteilnehmer wie die ersteren erst auf dem letzten Meter, was zumeist wie ich Fahrradfahrer sind, oder man fährt blind dem Licht entgegen im doppelten Sinne. Doch auch hier kann ich mich etwas glücklich schätzen, dass Chinesen in Sachen Beleuchtung mir sehr seelenverwandt sind. Wo ich in Deutschland nachts wütend angehupt wurde, fährt man hier lässig einen großzügigen Bogen um mich und mit meinem Reflektor bin ich schon besser „beleuchtet“ als jedes andere Chinarad.
Und so fahre ich meine regelmäßige Strecke und habe endlich mal genügend Zeit, unbekümmert und ohne Ablenkung über Dinge wie Blogeinträge nachzudenken, sodass ausgeschlachtete Beiträge wie dieser entstehen können.

Freitag, 10. April 2009

Zeremonie der Ernennung zum Schüler

Heute morgen wurde ich nun offiziell in einer spirituellen Zeremonie zum Schüler meines ShiFus, Meister Xing, ernannt. Angefangen hat die ganze Prozedur damit, dass alle Kandidaten eine Liste mit Regeln bekommen haben, die wir studieren mussten und nach denen wir ab sofort leben müssen. Für mich und Terry hieß das erst einmal, sich zusammenzusetzen und zu übersetzen. Die Regeln bestehen im Prinzip daraus, dass ich meinem ShiFu loyal bleiben soll, mein Wissen nicht zu schlechten Taten missbrauchen soll, mich nicht selber damit bereichere, Leuten in Not ohne zu zögern helfe und stets nach Fortschritt streben soll. Insgesamt gibt es zehn solcher Regeln. In einer ersten Versammlung wurden alle Schüler untereinander vorgestellt und erläutert, warum denn diese Person würdig ist, Schüler zu werden. Zudem wurden unsere Geburtsdaten gesammelt. Zwei Tage später (also heute) war dann die eigentliche Zeremonie. Morgens um 7 wurden wir in das Gebetszimmer von Meister Xing gebeten, der einzige Raum, den ich bis dato noch nicht gesehen hatte. Die Einrichtung sieht so aus, als hätte sie den Gegenwert von ganz TianZhenYuan. Sie bestand aus einem riesigen Holzbuddha, der aus einem Stück geschnitzt ist, edlen chinesischen Möbeln, Porzellanvasen, Wandgemälden und Gebetskissen. Rausgeputzt wurden wir acht Anwärter in den Raum geführt, wo wir unsere Schuhe ausziehen mussten und einem Kissen zugewiesen wurden. Uns wurde gezeigt wie man sich richtig verbeugt. Nach dem Trockendurchlauf wurde die gleiche Prozedur ohne Kommentare wiederholt. Als nächstes hat Meister Xing ein Schreiben vorgelesen, in dem er seine Ahnen(?) bittet, uns als Schüler aufnehmen zu dürfen. Das Schreiben wurde daraufhin verbrannt und in eine Brandschale geworfen. Nun waren wir an der Reihe. Wir mussten unsererseits Schreiben verfassen, in denen wir bitten, Meister Xings Schüler zu werden und versprechen, seine Regeln zu befolgen. Auch diese wurden anschließend verbrannt. Insgesamt hat die Zeremonie eine Stunde in etwa gedauert.




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PS: Passt zwar nicht zum Thema, aber Albert ist tot :-(
Dafür haben wir jetzt eine Katze!

Donnerstag, 26. März 2009

Albert - unser kleiner Problemfall

Nein, keine Personenbeschreibung (obwohl ich das auch mal wieder machen könnte)! Albert ist unsere kleine Hausmaus. Bis vor kurzem war sie noch "mäusisch zurückhaltend" aber langsam wird sie frech. Vor einigen Wochen hatte man Glück, wenn man sie nachts um vier beim Auf-Toilette-gehen zu sehen bekam, aber inzwischen nagt sie sich jedes Nachts Stück für Stück weiter durch die Badtür und macht Heidendreck und -lärm dabei. Selbst tagsüber rennt sie schon durch den Raum, wenn wir alle drei im Raum sind, es hell und laut ist. Den einen Tag hing Albert in der Gardine und turnte umher als ich aufwachte. Dass wir uns nun nicht von der Maus an der Nase herumführen lassen ist klar. Eine Mausefalle musste her, nur was für eine? Ich wollte es eigentlich nicht zulassen, dass wir sie töten, also plädierte ich für eine Käfigfalle, die es natürlich nicht gab auf dem Markt nebenan. Dort gab es nur diverse Derivate von Rattengift und Fallen, mit denen man eher Katzen und Hunde fangen könnte. Wir nahmen zwei unterschiedliche Exemplare mit und bestückten eine mit Kuchen, die andere mit Speck und platzierten sie an unterschiedlichen Stellen im Raum und schlossen Wetten ab, welche Falle denn wohl zuschnappen würde. Allerdings kam es nie dazu, da Albert viel zu leicht ist und wahrscheinlich auf der Falle rumhüpfte und einen Freudentanz für das Festmahl vorführte. Jedenfalls waren die Fallen nächsten Morgen beide fast leer gefressen. Das einzige, was wir damit gefangen haben, ist mein Daumen, als ich die Falle sensibler einstellen wollte. Zwei Tage später waren die Fallen dann ganz leer und ich habe nun zwei blaue geschwollene Daumen. Wenigstens sehen die jetzt symmetrisch aus.

Unser Xi'An-Ausflug

Vom 07.03.-10.03. waren wir drei ein verlängertes Wochenende in Xi'An. Angereist sind wir wieder im Schlafwagen des Nachtzugs, der aufgrund seiner Bequemlichkeit und des Preises unser bevorzugtes Reisemittel geworden ist. Xi'An wirkt auf den ersten Blick viel historischer als Beijing. Es gibt ein Stadtzentrum mit vielen historischen Gebäuden, umsäumt von einer Stadtmauer, und selbst neuere Gebäude sind auf alt getrimmt. Am Sonntag haben wir uns die Terracotta-Armee angesehen, die etwas außerhalb liegt. Ganz ehrlich gesagt, hat diese mich aber nicht sehr beeindruckt, vorallem, als wir erfahren haben, dass von den vielen Tausend Kriegern nur einer unbeschädigt gefunden wurde und alle anderen restauriert worden sind. Allerdings war die Detailtreue überwältigend, mit der die Krieger gezeichnet waren. Das eigentliche Grab des ersten "Kaisers", welches sie bewachen, liegt einige wenige Kilometer weiter entfernt, wurde aber leider nie geöffnet. Aus Aufzeichnungen kann man aber entnehmen und man munkelt, dass in dieser unterirdischen Gruft Flüsse aus Quecksilber fließen und der Sternenhimmel aus Edelsteinen dargestellt ist. Allerdings kann man da nur mutmaßen. Zusammen mit 2 weiteren Deutschen, die wir dort kennengelernt haben, haben wir uns eine Führung geleistet.
Es war sehr amüsant zu sehen, wie "Chinaanfänger" beispielsweise versuchen, mit Stäbchen umzugehen. Die restlichen Tage haben wir die kleineren Sehenswürdigkeiten und Antikmärkte unsicher gemacht. Gerade letzteres war spannend zu besichtigen, weil wir zuvor keine Antiquitäten zu Gesicht bekommen haben. Allerdings darf man eh nichts exportieren, wie uns dort berichtet wurde.

Dienstag, 24. Februar 2009

Tianzhen Garden erwacht aus dem Winterschlaf

Juhu, wir haben endlich wieder Kinder! In den letzten zwei drei Wochen hat sich ganz schön etwas getan in unserem chinesischen Heim. Wir haben neue Arbeiter, die unsere Einrichtung wieder auf Vordermann bringen und aufräumen, wir haben neue Kinder, unsere Tore werden langsam wieder bewacht (was den Vorteil hat, dass wir nun wieder aus- und eingehen können. Vorher mussten wir stets jemanden mit Schlüssel suchen, der uns aufschließt, was sehr frustrierend war, oder notfalls über die etwa 2,50 m hohe Mauer springen) und wir haben wieder einen Kindergarten, in dem wir uns alle sehr wohl fühlen können und endlich mal wieder austoben können. Die Kindergärtnerin ist auch klasse, da sie unwahrscheinlich gut mit den Kindern umgehen kann und sogar lieb zu ihnen ist. Allerdings ist es jetzt ein ganz schön straffer Tagesablauf für die Kleinen, die Lesen lernen sollen, wo wir natürlich eifrig mitmachen. Momentan betreuen wir fünf Kinder, heißt wir lehren ihnen Englisch, basteln mit ihnen und lesen ihnen abends eine Gute-Nacht-Geschichte vor (natürlich in Englisch, was sie nicht verstehen, sodass sie schnell einschlafen. Hat auch den Vorteil, das man getrost mitten im Text sagen kann „...and they lived happily ever after“ und einfach geht oder sogar Frankenstein vorlesen kann.) Da man für die Kinder aber wie ein riesengroßes Spielzeug ist, ist man nach einem Kindergartentag irgendwie ausgelaugter als nach so einem Tag Feldarbeit...

Mittwoch, 18. Februar 2009

Mein Hongkong-Trip

Mein Papa war wieder in China unterwegs, genauer in Hongkong, ein Grund für mich, wieder einmal über den Pekinger Tellerrand hinauszuschauen. Mit DaLu zusammen habe ich mir also fünf Tage freigenommen, um die 25-stündige Zugreise auf mich zu nehmen. Die Zugfahrt im hard-sleeper Abteil wir viel bequemer als gedacht, zumal wir das 6er-Abteil für uns alleine hatten. So konnten wir sehr bequem das elendig Dreckige und Graue (an dem Tag hat es das erste Mal nach drei Monaten wieder geregnet) hinter uns lassen und fanden uns in einer völlig anderen Welt wieder, als wir nächsten morgen wieder aufwachten. Das erste, was mein Auge erblickte, waren Palmen und Feldarbeiter in T-Shirt und Strohhut. Überhaupt wirkte alles viel freundlicher im starken Kontrast zum Pekinger Umland. Angekommen in Hongkong hat es mir erst einmal den Atem verschlagen, weil es so anders ist als Peking: viel sauberer, weniger Leute, enger (aber auf sympatische Art und Weise. In Peking ist eine vierspurige Straße extrem klein, alles wirkt erschlagend gigantisch, Hongkong wird aber von zweispurigen Straßen beherrscht, was enge Häuserschluchten zur Folge hat, wodurch die Wolkenkratzer noch höher wirken) und vor allem anderen ungeheuer luxuriös und teuer. Zumindest im Vergleich zu allen Orten, an denen ich mich in den letzten knapp sieben Monaten aufhielt. Hongkong ist eine Stadt, gelegen auf sehr hügeligen Inseln direkt im Meer, die von Kapitalismus und Globalisierung dominiert wird, sprich eine super idyllische, multikulturelle Shopping-Metropole. Erinnert mich sehr an eine Mischung aus San Francisco und Singapur. Leider war es die ganze Zeit stark bewölkt, sodass wir unsere traumhafte Aussicht von der sonst so runtergekommenen Jugendherberge nicht richtig genießen konnten.